Probier' statt studier'

Nachdenken macht Spaß – mir zumindest. Ich könnte mir stundenlang neues Wissen aneignen oder Ideen und Pläne schmieden, die eine Antwort auf jedes Wenn und Aber liefern. Würde man das Ergebnis graphisch aufarbeiten, so kämen wundervoll detaillierte Zukunftslandkarten heraus: gespickt mit Chancen und Herausforderungen, Notausgängen und Abzweigungen. So schön diese Pläne vielleicht auch sein mögen, die Frage ist bis wohin einen Denken weiterbringt und ab wann es gilt die Annahmen auch mal in der Realität auf die Probe zu stellen.

 
 

Klar – eine Alpenüberquerung komplett ohne Vorbereitung wäre vermutlich keine besonders gute Idee. Aber wer den Anspruch hat für jede Eventualität das passende Equipment einzupacken, der kommt von der Planung nie zum Machen oder aber nur sehr schwer vom Fleck. Bei Dingen, die nicht berechenbar sind – und das ist eigentlich alles was mit der eigenen Zukunft zu tun hat – kann man auch mit noch so viel Hirnschmalz im Voraus nicht planen wie sie verlaufen werden.

joshua-coleman-760664-unsplash.jpg

Aber man kann sie ausprobieren. Denn sobald man Dinge wirklich tut, lässt sich überprüfen inwieweit sie sich für einen selbst stimmig anfühlen. Dieses innere Aha-Erlebnis liefert einem kein Buch, kein Grübeln und auch kein Rat von Freunden oder Kollegen.


Mit dieser Erkenntnis war das Thema Gärtnern durch und sie konnte mit gutem Gefühl ihre Zeit in Dinge stecken, die ihr wirklich liegen. Heute lebt sie wieder glücklich in der Stadt und arbeitet mittlerweile als Illustratorin. Hätte sie das Gärtnern aber nicht ausprobiert, so wäre sie vermutlich heute noch davon überzeugt, dass ihr ohne Garten etwas fehlt.

Mir kommt das als Beispiel immer eine Freundin in den Kopf. Sie hatte als Großstädterin immer davon geträumt ihr eigenes Gemüse anzubauen. Gemeinsam lebten wir eine Zeit lang auf dem Land. Eines Tages ackerten wir gemeinsam im selbst angelegten Gemüsebeet. Mit einer Mischung aus Genervtheit und Erstaunung sah sie mich irgendwann an und meinte: „Ich hätte das nie gedacht, aber das macht mir wirklich so was von überhaupt keinen Spaß!“.


Ich selbst bin mittlerweile davon überzeugt, dass es Sinn macht – wo auch immer es möglich ist – eigene Annahmen schnell und in kleinen Schrittchen auf die Probe zu stellen. Designer machen das folgendermaßen: sie entwickeln eine Idee ganz grob, testen sie dann und passen sie danach an. Um sie dann wieder zu testen und weiter anzupassen. So lernen sie im laufenden Prozess was funktioniert und was nicht und vermeiden unnötig lange Denkprozesse.


Wenn du aber mit Kopfschmerzen nach hause kommst und erst mal zwei Tage Ruhe brauchst, weißt du schon mal, dass du vermutlich nicht die geborene Lehrerin bist. Aber wer weiß – vielleicht wären kleinere Kinder ja passender... Und wenn auch die Annahme sich als falsch herausstellt? Dann kannst du diese Idee mit gutem Gefühl gehen lassen und wirst nicht den Rest deines Lebens damit hadern, dass du doch eigentlich so gerne etwas anderes getan hättest, aber es nie ausprobiert hast.

Also: falls du beispielsweise die Idee hast, dass es deine Berufung ist mit Kindern statt am Schreibtisch zu arbeiten: schmeiß nicht gleich deinen Job hin, sondern mach einen ersten Schritt, um deine Annahme zu überprüfen. Wenn du nach einem Tag Hospitation in einer Schule oder nach dem Aushelfen in einer OGS nach Hause kommst und vor Ideen sprudelst, dann lohnt es sich da weiter reinzugehen.


Ich wünsche euch viel Spaß beim Testen und Hinterfragen und würde mich freuen, wenn ihr in den Kommentaren eure Erfahrungen oder Gedanken dazu teilt.


Katrin Eckert